Zucht

Perspektiven der Zucht

Perspektiven der KlM-Zucht in dem Rasseweltverband KlM-International (KlM-I)

 

Um die Zukunft zu beleuchten, muss ich zu Beginn noch einmal kurz auf die Vergangenheit und die Gegenwart in der internationalen KlM-Zucht eingehen.

 

Rückblick

Unsere Züchter waren immer das Rückgrat unserer Rasse. Wir haben es in Deutschland, dem Mutterland der Rasse, dem professionellen Engagement der KlM-Züchter zu verdanken, dass sich diese sympathische Jagdhunderasse in Gesundheit, Wesen und in seinem vielseitigen Leistungsprofil 150 Jahre lang stabil gehalten hat.

 

Bereits seit 1921 fand der KlM auch immer mehr Liebhaber im Ausland. Diese Entwicklung nahm nach dem zweiten Weltkrieg einen neuen Aufschwung. In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts entstanden in vielen europäischen Ländern und in Nordamerika Vereine sowie private Initiativen, in denen KlM gezüchtet wurden. Zumeist orientierten sich die Züchter am F.C.I.-Standard für den KlM und an den traditionellen oder speziellen Jagdverhältnissen in ihren Ländern.

 

Die Federation Cynologique Internationale (F.C.I.) betreut seit 1968 weltweit den „Standard“ unserer Rasse und sorgt hier für international einheitliche Zuchtvorgaben der KlM. Leider enthält dieser Standard Nr. 102 vor allem die Merkmale für die äußere Erscheinung (Körperbau und Haarkleid). Zu den Leistungsanlagen und –merkmalen finden wir im Standard Nr. 102 nur die Festlegung, dass der KlM ein „vielseitiger Jagdhund“ ist, der nicht „schußscheu“ oder „wildscheu“ sein darf. Im Gegensatz zu den Festlegungen zur äußeren Erscheinung fehlen Einzelheiten zum „vielseitigen Jagdhund“.

Aktueller Stand

Die anerkannten nationalen KlM-Organisationen richteten sich nach dem F.C.I.-Standard für KlM. Dadurch bleibt bis heute weltweit die einheitliche äußere Erscheinung der Rasse erhalten. Anders sieht es jedoch bei den Leistungsanlagen der KlM aus. Hier hat die F.C.I. ihren Mitgliedern keine international einheitlichen Vorgaben für die Zucht gemacht. Sie überlässt es ihren nationalen Mitgliedsstaaten, ob ihre KlM mit Leistungs- oder besonderen Wesensmerkmalen gezüchtet werden dürfen. International einheitlich für alle Länder ist einzig die Vorgabe, dass das Elternpaar eine Zuchtschau für den Körperbau und das Haarkleid bestanden haben muss und nicht aggressiv sein darf. Dann gibt es für die Welpen schon F.C.I.-Pedigrees. Darüber hinaus gibt es in vielen Ländern zwar Prüfungen, mit denen verschiedene jagdliche Leistungsanlagen festgestellt werden. Diese Prüfungen richten sich jedoch meistens nach speziellen Schwerpunkten in den nationalen Jagdverhältnissen, für welche die Jagdhunde traditionell eingesetzt werden. Voraussetzung für die Ausstellung der weltweit anerkannten F.C.I.-Pedigrees sind Leistungsanlagenprüfungen international jedoch leider grundsätzlich nicht – mit Ausnahme von Deutschland. In vielen Ländern werden wenigstens noch zusätzliche Gesundheitsvoraussetzungen, zum Beispiel für die Hüften oder für die Augen der Zuchttiere gemacht. In der Schweiz wird sogar noch eine gesonderte Wesensprüfung verlangt.

 

Heute haben wir in den Mitgliedsvereinen von KlM-I circa 10.000 Mitglieder erfasst. Außer in Deutschland können in den anderen F.C.I.-Ländern auch Züchter ohne Mitgliedschaft bei einem nationalen KlM-Club die F.C.I.-Pedigrees für ihre Welpen erhalten. Die Zahlen dieser Züchter variieren von Land zu Land. Insgesamt rechnen wir jährlich mit circa 3.500 – 4.000 anerkannten KlM-Welpen in den F.C.I.-Staaten pro Jahr. Davon stammen circa 2.500 Welpen aus jagdlicher Zucht, die allerdings ohne international einheitliche Leistungsmerkmale gezüchtet wurden. Dies entspricht einer allgemeinen, jährlich international aktiven Zuchtpopulation von circa 1.200 KlM (Hündinnen und Rüden). Aus heutiger Sicht gibt es international insgesamt rund 20.000 – 25.000 KlM aus allgemeiner, F.C.I.-anerkannter Zucht. Im Mutterland der Rasse steht heute eine jährlich aktive Zuchtpopulation von etwa 200 KlM, die ausschließlich Welpen aus Leistungszucht als klassische KlM hervorbringt.

 

Diese Zahlen zeigen, dass es langfristig immer schwieriger wird, das Profil des KlM als vielseitigen Jagdhund stabil zu halten. Heute profitieren noch zahlreiche und kleine Populationen von dem starken genetischen Kern der Rasse, aber die wichtigste Frage ist, wie lange bleibt dieses noch so?

 

Leistungsprofil des „klassischen KlM“

Der klassische KlM wird seit 150 Jahren planmäßig als mittelgroßer, erbgesunder, passionierter Jagdhund mit vielseitigen Leistungsanlagen für die Arbeit vor und nach dem Schuß im Feld, im Wald und im Wasser gezüchtet. Der klassische KlM wird als „Generalist“ gezüchtet, der sich später leicht für bestimmte Arbeitsfelder spezialisieren lässt. Für die Zuchtzulassung sind traditionell Mindestanlagen bei der Nasenleistung, der Apportierfreude, der Feldsuche, dem Vorstehen, der Spurleistung, der Arbeits- und der Wasserfreude wie auch der Führigkeit nötig. Die KlM dürfen nicht stumm oder waidlaut sein und müssen über ein festes Wesen verfügen. Diese Leistungs- und Wesensanlagen werden im Mutterland der Rasse seit 1928 auf Zuchtprüfungen im Frühjahr und im Herbst beurteilt.

 

Mit diesen Leistungs- und Wesensanlagen können die klassischen KlM bei fast allen Aufgaben eingesetzt werden. Sie arbeiten zuverlässig bei der Jagd auf Hasen, Raubwild und Federwild, sie stöbern und apportieren Wasserwild, sie sind intelligente, selbständige und wesensfeste Helfer für die Jagd auf Wildschweine, Rehe, Rotwild und viele andere Wildarten im Wald. Sie finden und verfolgen das Wild im Team mit ihrem Jäger, wenn Wild auf den Schuß hin geflüchtet ist, führen sie ihren Jäger zum verletzten oder toten Stück Wild.

 

In vielen Ländern sind die jagdlichen Verhältnisse in den vergangenen 150 Jahren anders geworden. Der klassische KlM ist jedoch wegen seiner Vielseitigkeit geblieben wie er schon früher war. Er lässt sich nach wie vor bei der Jagd auf fast alle Wildarten einsetzen, er arbeitet solo ebenso wie in der Meute mit anderen Hunden zusammen. Aber er kann auch aufgrund seiner breiten allgemeinen Leistungsanlagen spezialisiert werden. Zum Beispiel für die Feldjagd oder für die Nachsuchen, sogar in den Bergen habe ich ihn schon bei der Jagd auf Auer- sowie Birkwild und auf Gams erfolgreich eingesetzt.

 

Der klassische KlM ist geboren, um zu jagen. Er ist der beste Kamerad für ein erfülltes Jägerleben seines Führers. Er liebt den Kontakt mit Menschen und fühlt sich zu Hause in „seiner“ Familie ebenso wohl wie bei der Arbeit in der Natur bei Wind und Wetter. Die Zeiten haben sich geändert, der klassische KlM nicht! Deshalb hat er noch heute seine Erbgesundheit, sein festes Wesen und sein vielseitiges Leistungsprofil.

 

Wo steht die internationale KlM-Zucht heute?

Vergleichbare Prüfungen der jagdlichen Anlagen, wie es sie in Deutschland gibt, haben seit vielen Jahrzehnten auch Österreich, Tschechien und Frankreich. Damit gibt es innerhalb Europas nur wenige Länder mit Zuchtordnungen, nach denen KlM konsequent auf seine vielseitigen Anlagen gezüchtet werden. Weil in Deutschland ausschließlich der KlM-Verband die F.C.I.-Pedigrees ausgibt und sorgfältig darauf achtet, dass nur nach der deutschen KlM-Zuchtordnung gezüchtet wird, bilden die im Mutterland Deutschland europaweit das größte Kontingent an KlM aus Leistungszucht.

 

Alle KlM, die heute weltweit existieren, stammen ursprünglich aus deutscher Zucht. Seit vielen Generationen haben sich in den Nachbarländern kleine KlM-Populationen gebildet, die dann mehr oder weniger schnell gewachsen sind. Diese Populationen hatten und haben jedoch immer ein grundsätzliches Zuchtproblem: die genetische Basis war im Ausland zu klein und brauchte regelmäßig „Nachschub“, sonst hätte es schnell Risiken für die Erbgesundheit gegeben (Inzuchtdepressionen!). Diese genetische Auffrischung kam zunächst überwiegend aus Deutschland, später natürlich auch aus anderen Ländern. Heute ist es so, dass auch in Deutschland sehr gute klassische KlM aus ausländischen KlM Clubs stehen und erfolgreich zur Zucht eingesetzt werden können. Deutsche Züchter setzten 2012 etwa fünfundzwanzig Mal Deckrüden im Ausland ein. Für den gesamten Welpennachwuchs in Deutschland wurden 2012 zum Beispiel 74 Deckrüden eingesetzt.

 

Diese konkreten Zahlen machen deutlich, dass der Genpool klassischer, vielseitiger KlM langfristig immer kleiner wird. Für Zuchtpopulationen mit einer Basis von weniger als 40 jährlich aktiven Zuchttieren ist es schwierig, eine gesunde, wesens- und leistungsstarke, einheitliche Zuchtbasis aus eigener Kraft stabil zu bewahren. Auch der in zahllosen Generationen gefestigte Rassekern der KlM wird ohne abgestimmte konsequente Zuchtstrategien mit der Zeit immer schwächer. Daraus müssen wir schlußfolgern, dass nur ein starker, breiter internationaler Genpool für die Zucht von vielseitigen, leistungsstarken und wesensfesten KlM ohne ernsthafte Erbkrankheiten auf die Dauer die Basis für den Erhalt des klassischen KlM sein kann!

 

Nur der als „Generalist“ gezüchtete KlM kann auf der praktischen Jagd leicht spezialisiert werden, der züchterisch auf spezielle Leistungen reduzierte KlM verliert jedoch genetisch zunehmend sein breites Leistungsspektrum. Dies hat natürlich auch Folgen für das Wesen und für die Gesundheit. Diese Probleme kommen auf leisen Sohlen: zuchtstrategisch ist es dann unter Umständen zu spät.

Viele KlM kommen auch dort in die Zucht, wo landesweit weniger auf jagdliche als auf sportliche Leistungen (oder den damit verbundenen Marktwert) geachtet wird. Zum Beispiel wird in manchen nationalen Prüfungsordnungen unbedingter Gehorsam bei der Wildberührung gefordert. Lautes Jagen hinter Wild ist ein Fehler. Damit liegen die Schwerpunkte von Prüfungen nicht mehr auf den Anlagen von Hunden sondern auf Dressur und vor allem auf Erfahrung. Das führt dazu, dass die besseren Leistungen natürlich erst mit höherem Alter bestätigt werden. Da Prüfungsergebnisse überall wichtige Kriterien einer Leistungszucht sind, kommen hier auf Dauer die echten Anlagekriterien in der Zucht zu kurz. Auch die einseitige Fixierung auf das Vorstehen oder die Arbeit im Feld führen langfristig zum Abbau von Zuchtanlagen bei der Selbständigkeit und Intelligenz bei der Arbeit, bei der Arbeitsfreude, bei der Arbeitsfähigkeit an wehrhaftem Wild, bei der Arbeit im Wald und im Wasser. Zum Beispiel führt der Wegfall des Lautes, wie schon festgestellt wurde, zu einer nachhaltigen Veränderung des Leistungsprofils und Charakters des KlM.

 

Solche Gefahren bedrohen schon heute die Reinzucht des klassischen KlM. Dies betrifft nicht nur das eine oder andere Land beziehungsweise nur kleine Populationen. Betroffen sind viele Hunderte von KlM!

 

Eine internationale Zucht verträgt deutlich unterschiedliche nationale KlM-Profile langfristig nur in engen Grenzen. Deshalb müssen dafür gemeinsame, übergreifende Zuchtstrategien entwickelt und abgestimmt werden. Das Motto könnte heißen: soviel nationale züchterische Freiheit wie möglich jedoch soviel internationale züchterische Koordination wie nötig.

 

Handlungsbedarf für die Zukunft.

  1. Die Leistungszucht der KlM muss grundsätzlich in den F.C.I. Mitgliedsländern anerkannt und auf den Pedigrees dokumentiert werden können. Dies bedeutet nicht, dass der bisher gültige F.C.I.-Standard verändert werden müsste. Vielmehr würde die heutige F.C.I.-Definition des KlM als vielseitiger Jagdhund unterstrichen und für die praktische Zucht konkretisiert und näher ausgeführt werden. Es kann nicht richtig sein, dass sich jeder Züchter oder jedes F.C.I.-Mitgliedsland unter einem „vielseitigen Jagdhund“ etwas anderes vorstellt und damit eine Reinzucht dieser Rasse langfristig gefährdet.

 

  1. Im F.C.I.-Standard müssen die Leistungsmerkmale so konkretisiert werden, dass hiervon praktische Anlagenprüfungen in den F.C.I.-Mitgliedsstaaten abgeleitet werden können. Zuständig für Aktualisierungen des Rassestandards bei der F.C.I. ist immer das Mutterland der Rasse – KlM-I hat dazu in der Mitgliederversammlung 2012 detaillierte Vorschläge an KlM-D gerichtet. Diese müssen dort behandelt und auch in der nächsten Hauptversammlung beschlossen werden Danach sind sie dem deutschen Dachverband VDH vorzulegen, welcher sie dann beraten und an die F.C.I. weiterleiten muss.

 

  1. Die nationalen Kennelclubs, welche die F.C.I.-Pedigrees ausgeben, müssen überzeugt werden, dass die im F.C.I.-Standard verankerten Leistungsmerkmale durch nationale Anlagenprüfungskonzepte zu berücksichtigen sind. KlM, welche solche Prüfungen bestanden haben, brauchen im F.C.I.-Pedigree den Zusatz „aus geprüfter Leistungszucht“, um sie international von der weiterhin zulässigen „Normalzucht“ unterscheiden zu können und in der Zucht gezielt einzusetzen. Dies geht nicht ohne das Einvernehmen mit den einzelnen nationalen KlM-Clubs und ihren zuständigen Kennelorganisationen. – An diesem Ziel können wir innerhalb von KlM-I nur gemeinsam arbeiten. Das durch KlM-I bereits beschlossene „KlM-I Zertifikat“ sollte ein gemeinsamer Zwischenschritt werden, da es wohl ein längerer Weg sein wird, bis alle nationalen Kennelclubs vom Sinn einer „geprüften Leistungszucht“ überzeugt werden können. Außerdem könnte unter Umständen auch die leistungsorientierte, professionelle Zuchtarbeit in verschiedenen nationalen Mitgliedsclubs von KlM-I durch das Prädikat „aus geprüfter Leistungszucht“ profitieren.

 

  1. Eine Internationale Zuchtkommission bei KlM-I erhält die Aufgabe, ein Konzept zur Entwicklung von sinnvollen Zuchtstrategien und zum Aufbau sowie der Organisation einer internationalen KlM-Zucht zu erarbeiten. Dieses Konzept muss zuletzt in der KlM-I Mitgliederversammlung beraten und beschlossen werden. In diesem Rahmen könnte es zum Beispiel ein Basisniveau und ein Ausleseniveau geben. Zuchttiere, welche entweder das Basis- oder das Ausleseniveau auf entsprechenden Prüfungen bewiesen haben, könnten ein besonderes Leistungszeichen führen. Das gleiche könnte entsprechend für die Zuchtzwinger gelten. Wir brauchen ein lebhaftes Interesse auch der Züchter und Führer an der internationalen Zucht. Und dieses Interesse müssen wir hartnäckig unterstützen. Weiterhin ist es wichtig, möglichst einheitliche Spielregeln für die grenzübergreifenden Zuchteinsätze zu entwickeln. Auch ein breiter, gesunder Genpool muss gefördert werden. – Die konstituierende Sitzung der Internationalen Zuchtkommission ist im Sommer des Jahres 2013 geplant.

 

  1. Mit den nationalen KlM-I Mitgliedsclubs sollten Gespräche begonnen werden, um zu erfahren, wie dort die derzeitigen Anlagenprüfungen konkret praktiziert werden, ob bereits alle Merkmale für eine vielseitige jagdliche Leistungszucht erfasst werden oder welche Probleme sich für eine weitere Entwicklung stellen würden. Prüfungen liegen regelmäßig auch nicht in den Händen der nationalen KlM-Clubs, deshalb müssen alle noch offenen Entwicklungen gemeinsam erörtert beziehungsweise geplant werden. Es wird sicher nicht einfach sein und ein langer Weg werden, bis die Zuchtbasis für den klassischen KlM als vielseitiger Jagdhund innerhalb von KlM-I langfristig gefestigt sein wird. Wenn wir das erreichen wollen, sind wir alle in unseren KlM-Organisationen gefordert, mit Geduld, enger Kooperation und Standfestigkeit in den Verhandlungen mit unseren zuständigen nationalen und internationalen Organisationen zu operieren. – KlM-Dänemark hat mit Unterstützung von KlM-Deutschland und KlM-I bereits begonnen, diese Schlussfolgerungen in die Praxis umzusetzen.

 

  1. Informationen, Erfahrungsaustausch und gemeinsame Veranstaltungen sind Samen für das Wachstum und die Vertiefung der internationalen Zusammenarbeit. Gerade in der Genetik und der Vermeidung oder Bekämpfung von Krankheiten haben die Veterinärwissenschaften seit Jahren große Fortschritte gemacht. Die Kynologie und die Verhaltenswissenschaften entwickeln sich ständig weiter. Hier können wir gemeinsam Nutzen für die KlM-Zucht praktizieren.

Auch Leistungsrichter können neben Züchtern und Führern von Aktivitäten im Ausland profitieren. Jeder kann etwas vom anderen lernen und es fördert den Zusammenhalt. Dies wird angesichts der Widerstände, auf die Jäger und Hundeleute mancherorts auch in Europa stoßen, zunehmend wichtiger. Wenn wir enger zusammenhalten, kann uns dies nur stärker machen. – Die von KlM-I in Österreich und in Deutschland organisierten Testläufe für die neue Prüfungsordnung IMP waren gute Beispiele für die Zusammenarbeit von Leistungsrichtern, Führern und Funktionären aus vielen europäischen Ländern. Und haben außerdem Spaß gemacht – soweit dies auf Hundeprüfungen möglich ist.

 

  1. Internationale und gesunde Leistungszucht müssen für die Jägerschaft wichtige Qualitätsmerkmale der KlM werden. Sie muss bei Züchtern und Führern einen wachsenden Stellen- und Marktwert bekommen. Dadurch können wir alle nur gewinnen: die Rasse KlM, die Züchter, die Führer und die waidgerechte Jagd. Es lohnt sich, daran mitzuarbeiten und dafür zu werben.

 

In Deutschland haben wir seit vielen Generationen einen Spruch als Ratschlag für die Zucht, der heißt: „züchte weniger aber besser!“ Er hat sich in der Zucht des klassischen KlM sehr gut bewährt, Er könnte auch angesichts des rapiden internationalen Wachstums unserer Rasse ein Fazit aller unserer Erfahrungen für eine internationale KlM-Zucht sein.

 

 

Zuchtwertschätzung

„Welchen Deckrüden nehme ich denn?“ Diese Frage beschäftigt Generationen von Züchtern. Zufall, Glück und Risiko spielen hier eine große Rolle.

 

Unsere Züchter sind das Rückgrat jedes KlM-Clubs. Sie geben sich regelmäßig viel Mühe, um eine gute Elternpaarung für den KlM-Nachwuchs auszuwählen. Die Zuchthündin sollte ein Züchter gründlich kennen und ihre Eigenschaften, Stärken und Risiken beurteilen können. Schwierig wird es jedoch beim Deckrüden.

Ideal ist es, wenn ein Züchter den Deckrüden bereits auf der Jagd kennen gelernt hat, feststellen konnte, wie er aussieht, sich bewegt und wie er mit seinem Führer zusammen jagd. Vielleicht hat der Züchter auch schon erfahren, ob und wie der Deckrüde sich schon vererbt hat. Diese Informationen sind jedoch selten, da interessante Deckrüden nicht immer im näheren Umkreis stehen oder es keine gemeinsamen Jagdgelegenheiten gibt. Aber selbst wenn der Züchter den Deckrüden schon näher kennt, weiß er zumeist nicht, welche Stärken und Schwächen in seiner Ahnenreihe vertreten sind, ob eventuell Krankheiten vorlagen, die vererbbar sind, wie die Verwandtschaftsverhältnisse seines möglichen Deckrüdens und seiner Zuchthündin in den letzten Generationen bestehen und ob sich Inzuchtprobleme ungewollt ergeben können. Auch die meisten Welpen aus vergangenen Würfen des Deckrüden, und was aus ihnen geworden ist, wird oft unbekannt sein.

 

Daher sagen sich viele Züchter, „ich schaue mir einmal die Prüfungsergebnisse an, denn wenn ich einen leistungsfähigen Deckrüden bekommen kann, werde ich schon einen guten Wurf bekommen“, oder „die Besten sind für meine Hündin gerade richtig!“, oder „wenn viele andere Züchter zu einem bestimmten Deckrüden fahren, dann kann der ja nicht schlecht sein“. Aber: dass solche Deckrüden für eine individuelle Paarung gut sind, kann sein, muss aber nicht sein.

 

Die Verantwortlichen für die Rassezucht bei KlM-Deutschland haben sich vor ca. 30 Jahren von Genetikern wissenschaftlich beraten lassen und zusammen mit dem Verlag für Tierzucht und angewandte Genetik (TG Verlag) eine Datenbank aufgebaut. Diese Datenbank enthält inzwischen Informationen von mehr als 50 000 KlM, welche eine große Erfahrungsgrundlage für die systematische Zucht ergeben.

 

Diese Datenbank heißt „Dogbase“ und die Software heißt „Zuchtwertschätzung“. Die Daten und das System ermöglichen eine Pedigreeanalyse eines Hundes über vier Generationen hinweg. Sie ermöglicht eine Paarungsplanung mit zwei konkreten Elterntieren unter Berücksichtigung ihrer Ahnenreihen und rechnet aus, welche Zuchtwerte für die Welpen dieser Paarung theoretisch zu erwarten sind. Das heißt, die Eltern haben individuelle Zuchtwerte und das System errechnet für die Welpen Zuchterwartungswerte.

Zuchterwartungswerte zeigt das System bei den Anlagen für „Laut“, „Spurarbeit“, „Nase“, „Arbeit an der lebenden Ente“, „Feldsuche“, „Vorstehen“, „Führigkeit“, „Schußfestigkeit“, „Hüftgelenksqualität“, „Nabelbruchrisiko“ und „Größe“. Weiterhin werden errechnet der „Inzuchtkoeffizient“ sowie der „Homogenitätskoeffizient“ der Paarung jeweils bei Auswertung von fünf Generationen und schließlich auch das „Epilepsierisiko“.

 

Mit diesen Erwartungswerten stellt die Zuchtwertschätzung interessante Informationen den Züchtern in Deutschland zur Verfügung. Die sollten jedoch berücksichtigen, dass es sich um theoretische Werte handelt, welche Wahrscheinlichkeiten darstellen aber natürlich keine Sicherheit für Qualität der Welpen bieten können. Doch sie bieten den Züchtern zahlreiche Anhaltswerte und zeigen Zusammenhänge auf. Insbesondere bei der planmäßigen Reduzierung von Erbkrankheitsrisiken ist die Zuchtwertschätzung sehr hilfreich. Über viele Jahre hinweg konnte hiermit zum Beispiel die Hüftgelenksdysplaie (HD) bei der deutschen KlM Population so sehr zurückgedrängt werden, dass sie keine praktische Bedeutung für die deutschen KlM mehr hat.

 

Die Zuchtwarte der verschiedenen Landesgruppen bei KlM Deutschland werden regelmäßig in der Anwendung der Zuchtwertschätzung und der Analyse ihrer Auswertungen geschult. Damit sind sie in Lage, ihre Züchter eingehend bei der Paarungsplanung zu beraten. Deutsche KlM-Züchter können sich also Hilfe von Profis holen, wenn sie vor der Frage stehen: „welchen Deckrüden nehme ich denn?“ Die letzte Entscheidung bleibt jedoch beim Züchter, seine Erfahrungen, seine Kenntnisse und sein Fingerspitzengefühl müssen den Ausschlag geben.

Internationaler Deckrüdenkatalog

in Arbeit …