Paarungsauswahl beim Züchter-
Zuchtwertschätzung ein hilfreiches Instrument

(bdj 21.05.2013) „Welchen Deckrüden nehme ich denn?“ Diese Frage beschäftigt Generationen von Züchtern. Zufall, Glück und Risiko spielen hier eine große Rolle.Unsere Züchter sind das Rückgrat jedes KlM-Clubs. Sie geben sich regelmäßig viel Mühe, um eine gute Elternpaarung für den KlM-Nachwuchs auszuwählen. Die Zuchthündin sollte ein Züchter gründlich kennen und ihre Eigenschaften, Stärken und Risiken beurteilen können. Schwierig wird es jedoch beim Deckrüden.

1-Foto-Vorstehen 250pxIdeal ist es, wenn ein Züchter den Deckrüden bereits auf der Jagd kennen gelernt hat, feststellen konnte, wie er aussieht, sich bewegt und wie er mit seinem Führer zusammen jagd. Vielleicht hat der Züchter auch schon erfahren, ob und wie der Deckrüde sich schon vererbt hat. Diese Informationen sind jedoch selten, da interessante Deckrüden nicht immer im näheren Umkreis stehen oder es keine gemeinsamen Jagdgelegenheiten gibt. Aber selbst wenn der Züchter den Deckrüden schon näher kennt, weiß er zumeist nicht, welche Stärken und Schwächen in seiner Ahnenreihe vertreten sind, ob eventuell Krankheiten vorlagen, die vererbbar sind, wie die Verwandtschaftsverhältnisse seines möglichen Deckrüdens und seiner Zuchthündin in den letzten Generationen bestehen und ob sich Inzuchtprobleme ungewollt ergeben können. Auch die meisten Welpen aus vergangenen Würfen des Deckrüden, und was aus ihnen geworden ist, wird oft unbekannt sein.

Daher sagen sich viele Züchter, „ich schaue mir einmal die Prüfungsergebnisse an, denn wenn ich einen leistungsfähigen Deckrüden bekommen kann, werde ich schon einen guten Wurf bekommen“, oder „die Besten sind für meine Hündin gerade richtig!“, oder „wenn viele andere Züchter zu einem bestimmten Deckrüden fahren, dann kann der ja nicht schlecht sein“. Aber: dass solche Deckrüden für eine individuelle Paarung gut sind, kann sein, muss aber nicht sein.

Foto-1 Zuchtschau 250pxDie Verantwortlichen für die Rassezucht bei KlM-Deutschland haben sich vor ca. 30 Jahren von Genetikern wissenschaftlich beraten lassen und zusammen mit dem Verlag für Tierzucht und angewandte Genetik (TG Verlag) eine Datenbank aufgebaut. Diese Datenbank enthält inzwischen Informationen von mehr als 50 000 KlM, welche eine große Erfahrungsgrundlage für die systematische Zucht ergeben.

Diese Datenbank heißt „Dogbase“ und die Software heißt „Zuchtwertschätzung“. Die Daten und das System ermöglichen eine Pedigreeanalyse eines Hundes über vier Generationen hinweg. Sie ermöglicht eine Paarungsplanung mit zwei konkreten Elterntieren unter Berücksichtigung ihrer Ahnenreihen und rechnet aus, welche Zuchtwerte für die Welpen dieser Paarung theoretisch zu erwarten sind. Das heißt, die Eltern haben individuelle Zuchtwerte und das System errechnet für die Welpen Zuchterwartungswerte.

Zuchterwartungswerte zeigt das System bei den Anlagen für „Laut“, „Spurarbeit“, „Arbeit an der lebenden Ente“, „Feldsuche“, „Vorstehen“, „Führigkeit“, „Schußfestigkeit“, „Hüftgelenksqualität“, „Nabelbruchrisiko“ und „Größe“. Weiterhin werden errechnet der „Inzuchtkoeffizient“ sowie der „Homogenitätskoeffizient“ der Paarung jeweils bei Auswertung von fünf Generationen und schließlich auch das „Epilepsierisiko“.

welpen 250px zwsMit diesen Erwartungswerten stellt die Zuchtwertschätzung interessante Informationen den Züchtern in Deutschland zur Verfügung. Die sollten jedoch berücksichtigen, dass es sich um theoretische Werte handelt, welche Wahrscheinlichkeiten darstellen aber natürlich keine Sicherheit für Qualität der Welpen bieten können. Doch sie bieten den Züchtern zahlreiche Anhaltswerte und zeigen Zusammenhänge auf. Insbesondere bei der planmäßigen Reduzierung von Erbkrankheitsrisiken ist die Zuchtwertschätzung sehr hilfreich. Über viele Jahre hinweg konnte hiermit zum Beispiel die Hüftgelenksdysplaie (HD) bei der deutschen KlM Population so sehr zurückgedrängt werden, dass sie keine praktische Bedeutung für die deutschen KlM mehr hat.

Die Zuchtwarte der verschiedenen Landesgruppen bei KlM Deutschland werden regelmäßig in der Anwendung der Zuchtwertschätzung und der Analyse ihrer Auswertungen geschult. Damit sind sie in Lage, ihre Züchter eingehend bei der Paarungsplanung zu beraten. Deutsche KlM-Züchter können sich also Hilfe von Profis holen, wenn sie vor der Frage stehen: „welchen Deckrüden nehme ich denn?“ Die letzte Entscheidung bleibt jedoch beim Züchter, seine Erfahrungen, seine Kenntnisse und sein Fingerspitzengefühl müssen den Ausschlag geben.